Anflug von Leichtigkeit im Bangkok nach der Flut
Nach dem verheerendsten Hochwasser der letzten 50 Jahre ist Thailand mit Wiederaufbau konfrontiert – auch politisch
geht die Tendenz in Richtung Versöhnung
Das Land des Lächelns hat schon ruhigere Zeiten erlebt. Nach den politischen Kämpfen 2009 und 2010 brachte es 2011 die Flutkatastrophe von Mitte September bis Ende November in die Schlagzeilen. Jetzt scheint sich Thailand wieder mehr auf das Lächeln besinnen zu können: Die neue Regierung unter Leitung von Yingluck Shinawatra – der jüngeren Schwester des 2006 mit einem Coup aus dem Amt gejagten und 2008 ins Exil geflüchteten Ex-Regierungschefs Thaksin Shinawatra, der danach zur Zentralfigur der Protestbewegung geworden ist – hat das Land politisch wieder in ruhigere Gewässer geführt, was auch auf die Folgen des Hochwassers zutrifft. T.A.I. hatte vor kurzem Gelegenheit auf Einladung von Jumbo Touristik, Eva Air, der Europäischen Reiseversicherung und dem thailändischen Fremdenverkehrsamt, die Lage vor Ort zu erkunden.
Etwa einen halben Meter hoch ist die Sandsack-Barrikade vor der Terrasse des 5-Sterne Anantara Resorts. Gleich dahinter fließt der mächtige Chao Phraya Fluss. Ob das kleine Mäuerchen im Ernstfall von viel Nutzen ist, scheint fraglich. Darauf angesprochen versichert Nuttapon Uyasathian, Sales Executive des Anantara Bangkok Riverside Resort & Spa, dass dies nur zur Vorsicht sei. Das verheerende Hochwasser stieg hier nie so hoch, dass das neu eröffnete Hotel direkt an Bangkoks Hauptwasserader gefährdet gewesen sei. „Sorgen machten wir uns keine“, so Uyasathian, bevor er mit einem Lächeln hinzufügt: „aber wir wollten vorbereitet zu sein“. Der Neustart des ehemals unter Bangkok Marriott Riverside bekannten Hotels verlief aber keinesfalls nach Wunsch. Nach den Umbauten wollte das Anantara Bangkok Riverside ab 1. November erfolgreich in die Hauptsaison starten. „November hätte der beste Monat des Jahres werden sollen, am Ende war es der schlechteste“, bedauert General Manager Francis Zimmerman. Das direkt am Fluss gelegene Hotel sei zwar nie in Gefahr gewesen. Die Gäste blieben dennoch aus.
Nur etwa sechs Kilometer nördlich war die Situation eine andere. Im „alten Bangkok“ finden sich mit den beeindruckenden buddhistischen Tempelanlagen Wat Arun (Tempel der Morgenröte), Wat Pho (Tempel des ruhenden Buddhas) und Wat Phra Kaeo (Tempel des Smaragdbuddhas) die drei kulturellen Hauptsehenswürdigkeiten. Hier bestand durchaus Sorge, dass die Wassermassen nicht vor den Tempelmauern halt machen würden. Im kleinen Pier-Gebäude unweit von Wat Pho ging den Menschen noch Ende November das Wasser bis über die Knöchel. Davon unbeirrt boten Souvenirverkäufer allerlei Andenken, von T-Shirts bis hin zu Holzschnitzereien, an. Damit Touristen auf dem Weg zum Boot, vorbei an den Läden nicht nass wurden, hatte man – ähnlich wie in Venedig – aus Holzbrettern einen halben Meter über dem Boden schmale Stege verlegt, auf denen man bis zur Anlegestelle gelangte. Von dort aus können auch Boote für Flussrundfahrten gebucht werden. Der Preis ist Verhandlungssache und feilschen in Thailand eine Volksleidenschaft. Die Folgen des Hochwassers waren noch zu sehen: auf einer Fahrt flussaufwärts in die Seitenarme des Chao Phraya wurden kaputte Häuserfassaden passiert, auf denen Schlammspuren bis zu den Fenstern reichten.
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Das Alltagsleben hat aber längst wieder Platz gegriffen: an der gegen überliegenden Uferseite liest ein Mönch im Schatten eines Baumes ein Buch, wenige Meter weiter springt ein Junge zur Abkühlung in den Fluss. Immer wieder tauchen Pumpen auf, die Wasser von gefluteten Grundstücken in den Fluss leiten. Während der Flut gab es viel Kritik am Krisenmanagement der Stadt. Um das Stadtzentrum zu schützen, wurden die Wassermassen mit strategisch gesetzten Dämmen in Wohngebiete umgeleitet. Das zu schützende Zentrum markiert unter anderem der Siam Square – ein auf Hochglanz poliertes Symbol des modernen Bangkok. Internationale Marken präsentieren sich in überdimensionalen Schaufenstern mehrerer aneinandergereihter Einkaufszentren. Vereinzelte Sandsackbarrikaden trübten beim T.A.I.-Besuch noch das unbeschwerte Bild des hippen Shoppingviertels. Da die Gegend in einer Senke liegt, hätte dies die Bewältigung erschwert, so die Argumentation von offizieller Seite.
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In einem nahegelegenen Supermarkt bat noch ein Schild um Verständnis, dass aufgrund der Flutkatastrophe nicht alle Lebensmittel verfügbar sind. „Ab einem gewissen Zeitpunkt waren mehrere Regale leer“, erzählt Myriam. Die belgische Expatriatin lebt seit über drei Jahren im Zentrum der südostasiatischen Wirtschaftsmetropole. „Wir mussten mehrere Geschäfte abklappern nur um Trinkwasser, Softdrinks, Toilettenpapier und diverse Lebensmittel zu finden.“ Laut Myriam sei die Atmosphäre, als befürchtet wurde, dass das Zentrum ebenfalls überflutet werden könnte, „sehr angespannt“ gewesen.
Weniger als zwei Wochen später, scheint diese Anspannung verflogen zu sein. Der berüchtigte Bangkoker Abendverkehr verstopft wie gewohnt die Straßen. „Viele Menschen wollen ausgehen“, erklärt Reiseleiter Suvit. „Manche müssen noch zu Hause bleiben und ihre Wohnungen trockenlegen. Auch ich hatte nasse Socken“, erzählt Herr Suvit mit einem Lächeln. „Es waren bei mir zum Glück nur fünf Zentimeter.“ Das Straßenbild ist von etlichen gelben Fähnchen zu Ehren des Königs geprägt. Dessen 84. Geburtstag im Dezember und die Nachricht über eine Besserung seines Gesundheitszustands führten zu einer gewissen Hochstimmung.
Auch im Anantara Riverside Resort versucht General Manager Francis Zimmerman die schwierigen Wochen des vergangenen Herbstes hinter sich zu lassen und optimistisch in die Zukunft blicken. Die Hauptsache sei das Bangkok wieder trocken ist. Zimmerman geht davon aus, dass sich Thailand nach Vogelgrippe, Tsunami und politischen Unruhen mit der Zeit auch von dieser Katastrophe erholen wird: „Das Leben geht weiter – und hier tut es das mit einem Lächeln.“
Thailands Tourismus in Zahlen
Der Tourismus macht in Thailand rund 6,5 Prozent des BIP (Brutto Inlands Produkt) aus, die Einnahmen erreichen mehr als 16 Mrd. US-Dollar. Gemessen an der Zahl der internationalen Ankünfte rangierte Thailand 2010 mit 15,84 Millionen weltweit an 16. Stelle, einen Platz vor Griechenland. Es war das bisher beste Incoming-Jahr der Geschichte (zehn Jahre davor lagen die internationalen Ankünfte noch bei 9,51 Millionen). Der Rekord dürfte 2011 – trotz Hochwasser – eingestellt werden: in den ersten neun Monaten stieg die Zahl der internationalen Gäste um 27,3 Prozent auf 14,41 Millionen und selbst in den schlechtesten Quartalen während der politischen Unruhen wurden nie weniger als 2,9 Millionen Ankünfte gezählt.
Die taiwanesische Fluggesellschaft Eva Air fliegt ab Wien 3-mal pro Woche nonstop in die Hauptstadt Thailands. Jeden Mittwoch, Freitag und Sonntag wird um 19.25 Uhr gestartet, Ankunft am Folgetag ist um 11.30 Uhr. Retour geht es ebenfalls über Nacht. Gestartet wird um 3.40 Uhr, die Landung in Wien erfolgt um 9.30 Uhr.
Austrian Airlines hat die Verbindung VIE - BKK täglich auf dem Plan. Gestartet wird jeweils um 23.20 Uhr mit Ankunft am Folgetag um 15.05 Uhr in Bangkok. Zurück nach Wien geht es um 23.55 Uhr. Um 5.25 Uhr am Folgetag landet man schließlich wieder in Wien.










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