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Jahr der Entscheidung

Tourismus zwischen Zuversicht & Skepsismitterlehner2

Selten hat ein neues Jahr mit derart vielen Fragezeichnen begonnen, wie 2012. Die Bandbreite der Prognosen reichten für Europa vom Währungspolitischen Super-Gau (Zerbrechen der Euro-Zone) über eine Rezession bis hin zu einem minimalen Wachstum. Auch weltweit schwanken die Vorhersagen zwischen Optimismus (nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Wirtschaftsdaten der USA) bis hin zu Katerstimmung (eintrübende Konjunktur in China). Entsprechend unterschiedlich sind die Einschätzungen für den österreichischen Tourismus, sowohl was das Incoming als auch das Outgoing betrifft. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass sich vor allem Europas Luftfahrt 2012 schwer tun wird. Für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner steht jedenfalls eines fest: „Als konjunkturabhängige Branche kann sich der Tourismus von all dem trotz der in der Vergangenheit bewiesenen Krisenfestigkeit nicht völlig abkoppeln: Beim und im Urlaub wird erfahrungsgemäß relativ rasch gespart.“

Dies dürfte für Geschäftstourismus nur noch in eher abgeschwächter Form zutreffen. Der ist bekanntlich im Herbst 2008 als Folge der Lehman-Pleite vollkommen in die Knie gegangen. Von dem aktuellen Währungskrieg zwischen den USA und Europa mit all seinen Auswirkungen auf den Finanzmärkten zeigt sich dieser Sektor aber bislang unbeeindruckt (siehe auch "Aussichten für Geschäftsreisen gar nicht so übel"). Der Präsident des ÖRV (Österreichischer Reisebüroverband) Norbert Draskovits rechnet – unter der Voraussetzung, dass sich die aktuelle Situation rund um Schulden- und Eurokrise nicht weiter verschärft – mit einem 1,2 prozentigen Wachstum bei den Flugtickets am österreichischen Gesamtmarkt, wobei das Geschäftsreisesegment mit 4 Prozent stärker zulegen drüfte. Für Europas Airlines wird es trotzdem ein hartes Jahr – siehe auch die jüngste Prognose der IATA (International Air Transport Association), die für die europäischen Carrier von einem Verlust von 600 Mio. US-Dollar ausgeht. Die AUA hat bereits mit einem weiteren Einsparungspaket reagiert.

Indirekt bestätigt wird die positive Einschätzung im Bereich der Geschäftsreisen durch eine Ende November/Anfang Dezember durchgeführte Umfrage unter Fachbesuchern der EIBTM (The Global Meetings & Events Exhibition) in Barcelona. Deren Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des ACB-Magazins (der Mitgliederzeitung des Austrian Convention Bureaus) veröffentlicht. Demnach rechnen 58 Prozent der Einkäufer im Geschäftsreisesektor mit einer besseren Entwicklung als heuer. Nur 8 Prozent schätzen die Aussichten negativ ein.

Laut ACB-Magazin lassen die Ergebnisse den Schluss zu, dass sich Firmen der Notwendigkeit von Geschäftsreisen aufgrund der Erfahrungen der zurückliegenden Jahre stärker bewusst sind, als noch bei der Lehman-Pleite, und deshalb vorsichtiger als früher mit dem Zusammenstreichen von Reise-Etats und Meeting-Budgets umgehen.

Ob dies auch auf die Urlaubs-Reisenden zutrifft, wird sich weisen. Österreichs Reiseveranstalter haben jedenfalls ihre Kapazitäten für den Sommer 2012 überaus offensiv geplant. „Unsere Einschätzung ist von Optimismus getragen”, betonte TUI Österreich CEO Klaus Pümpel vor kurzem in einem Gespräch mit T.A.I. und ließ dem rund um die Programmpräsentation der einzelnen Veranstaltermarken, von TUI bis Gulet, von Magic Life bis Reiseladen, Taten folgen: überall stehen die Zeichen auf Expansion. Dasselbe gilt für Thomas Cook Austria (das mit Öger Tours eine weitere Marke auf dem österreichischen Markt platziert), für die Dertour Austria (die ihr bisher größtes Programm aller Zeiten auf den Markt bringt), für die Rewe Touristik (ITS Billa und Jahn Reisen), deren Chef Martin Fast die Flugkapazitäten um 7 Prozent, das Flugangebot sogar um 20 Prozent steigert, sowie für FTI und für Alltours. Auch Ägypten-Spezialist ETI wird mit Sicherheit nicht in die Defensive gehen und Aldiana-Geschäftsführer Peter Wennel rechnet ex Österreich sogar mit 21 Prozent Plus für seine Clubs.

Primär deuten all diese Vorhaben auf einen intensiveren Verdrängungswettbewerb hin, denn Marktwachstum in dem dafür notwendigen Ausmaß wird es mit Sicherheit nicht geben. Umgekehrt deuten diese Offensiv-Strategien darauf hin, dass sich die Big-Player in Österreichs Reiseveranstalter-Szene – die alles andere sind als Vabanque-Spieler, sondern im Fall des Falles aufgrund der hohen Risiken eher vorsichtig agieren – auf alles einstellen, nur nicht auf ein Krisen-Jahr.

Und wie sieht es in diesem Umfeld für Österreichs Tourismus aus? Laut aktueller Wifo-Tourismusprognose für den Winter 2011/12 ist mit nominell stagnierenden bis maximal leicht steigenden Umsätzen zu rechnen. Gleichzeitig sollten die Nächtigungen stabil bleiben. Für den Sommer gibt es noch keine Aussagen, der hat heuer aber trotz extrem schlechten Wetterbedingungen in der ersten Hälfte mit einem unerwartet starken Ergebnis abgeschnitten (Umsätze plus 3,8 Prozent, Nächtigungen plus 2,2 Prozent). Er könnte 2012 durch die in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten vorherrschende Tendenz zu Nahmärkten profitieren. Spätestens in zwölf Monaten werden wir mehr wissen, auch wie das Ringen um den Euro ausgegangen sein wird.

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