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Facebook erwünscht im „Dienstreisen 2.0”-Zeitalter

Mobile Devices und Apps verändern die Welt der Geschäftsreisen – Trend zu Digitalisierung steht aber auch Gegentrend zu mehr Meetings gegenüber

Die atemberaubend raschen Veränderungen in der digitalen Welt haben die Geschäftsreisen längst voll erfasst. Die Auswirkungen waren eines der Schwerpunkt-Themen bei der jüngsten Sommertagung der abta (Austrian business travel association) in Laa an der Thaya (T.A.I. berichtete). Stefan Erschwendner, Managing Partner der LHBS Consulting GmbH, Wien, beleuchtete das Thema aus Sicht einer auf Business Innovation spezialisierten Unternehmensberatung, während der Technik-Journalist und Buchautor Jakob Steinschaden sich das Phänomen Facebook vornahm und damit verbundene „Risiken und Gefahren für Unternehmen” zur Diskussion stellte.

„24/7, always on”. Man ist immer vom Internet umgeben, 24 Stunden und 7 Tage in der Woche – das scheint das Motto des modernen Business Travellers zu sein. Gegenüber früher hat der Geschäftsreisende heute wesentlich mehr Möglichkeiten und Wege, sich im Internet zu bewegen, oder, wie Erschwendner formulierte, „man muss nicht mehr ins Internet, man ist ständig im Netz”. Mit Hilfe immer weiterer Innovationen, z.B. der inzwischen so beliebten Apps, wird aus dem oben erwähnten „always on” ein breites „all ways on”, ein ständig möglicher Zugang zum Netz auf mehreren Wegen.


Sprachtelefonie stehe schon längst nicht mehr im Vordergrund, der gängige Ausdruck „Mobiltelefon” sei sowieso falsch, vielmehr müsste man vom mobilen Computer oder von „mobile devices” reden. Mit Hilfe der Apps und anderer Applikationen werden in Zukunft immer mehr Bereiche des Lebens, von den Geschäftsreisen bis zum täglichen Einkauf, über das „Handy” gesteuert. Als Beispiel nennt Erschwendner das „mobile check in” (mobiler Boarding Pass) als Service für Kunden, die bereits bei der Anreise zum Flughafen im Taxi einchecken können. Die Suche nach Zimmern und Zimmerpreisen im Internet ist für viele bereits zur Routine geworden. Immer mehr Reisende machen von der Möglichkeit Gebrauch, an Ort und Stelle (Hotel etc.) Informationen für Freunde und andere Gäste zu hinterlassen.

Es ist auch möglich, mit Hilfe des Netzes mitzuteilen, „dass ich da bin” und festzustellen, wer sonst noch im selben Hotel abgestiegen ist („social stay”), was, wie Erschwendner sagte, neue Möglichkeiten für Geschäftskontakte eröffnet. Neu sind beispielsweise auch Applikationen wie „square” (Kreditkartenzahlungen leisten und empfangen per mobile phone) oder „red laser” (Produktcodes einscannen zum Preisvergleich mit anderen Produkte in der Umgebung).

Ein noch junges Phänomen aus Amerika, das auch hierzulande bereits Anhänger findet, ist „food spotting”. Es geht im Wesentlichen darum, das Essen und die Umgebung im Restaurant zu fotografieren (wie schauen die Portionen aus, etc.), frei nach dem Motto „See what´s good around you”.

So vielfältig die digitale Welt  auch geworden ist, so verlieren konventionelle Treffen trotzdem nicht an Bedeutung. „Neben dem allgemeinen Trend zur Digitalisierung gibt es einen Gegentrend zu mehr Meetings”, erklärte Erschwendner. „Das App muss nicht immer die Lösung sein, Geschäftsprobleme werden dadurch kaum gelöst”. Trotz aller Technik veränderten sich die Leute nicht. Die diversen Apps seien nur ein zusätzlicher Weg, mit den Menschen besser in Kontakt zu treten. Was letztlich zählt, so der Vortragende, seien Qualität und Kundennutzen. „Man muss die Hausaufgaben vorher erledigen und sein Business-Modell fit machen, dann erst kommt das ´go digital´”, hob Erschwendner vor den abta-Tagungsteilnehmern hervor. „Wir können das Business zu ´go digital´ bringen, aber nicht umgekehrt. Zu sagen ´Wir haben Facebook´ bringt allein nichts”.

Näher mit dem Phänomen Facebook befasste sich auf der abta-Tagung Kurier-Redakteur Steinschaden. Auf der Positivseite stehe der Umstand, dass Unternehmen aktuelle Statistiken über ihre Kunden bekommen und ihre Interessen kennenlernen können. „Für Firmen ist dies eine Art einfache Marktforschung”. Es lassen sich auch leichter Sonderangebote und sonstige ´Deals´ an die Kunden bringen. Risiken sieht Steinschaden in zunehmender Abhängigkeit und in der Verfolgbarkeit („tracking”) aller Spuren. Nicht nur extern, auch für die Mitarbeiter ändere sich dadurch einiges. Der Mitarbeiter, der Facebook betreut, steht plötzlich mit seinem Privat-Account im Dienst der Firma und deren Ziele.

Generell habe sich übrigens die Stimmung in vielen Unternehmen gedreht, von Facebook verboten zu Facebook erwünscht. Was die künftige Weiterentwicklung betrifft, sieht Steinschaden den „Online-Identitätsverwalter” Facebook als „Marktplatz” und „Super-Dienstleister”. Es werde künftig möglich sein, eine Reise komplett über Facebook abzuwickeln.


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