Salzburger Symphonie für den Nachwuchs
Im Vorjahr wurden die Tourismusschulen des Landes auf neue Beine gestellt – das Modell hat zahlreiche interessante Aspekte
In aller Stille wurden für die Tourismusschulen Salzburg wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Die zur Wirtschaftskammer gehörende Institution erhielt erstmals in ihrer Geschichte einen hauptamtlichen Leiter, erhielt einen vierten Standort, von denen jeder mit einem Ausbildungsschwerpunkt versehen wurde und führt seither jedes Jahr eine Schülerbefragung durch, um hart am Wind der tatsächlichen Erfordernisse zu bleiben und nicht an der Realität vorbei zu agieren. In einem Gespräch mit T.A.I. stellte der seit über einem Jahr amtierende Schuldirektor Leonhard Wörndl Details des neuen Konzeptes vor, das gut zu funktionieren scheint.
Vor der großen Neuorganisation wurden die Tourismusschulen Salzburg mehr oder weniger nebenbei von der WK Salzburg geführt. Mit Kleßheim, Bischofshofen und Bad Hofgastein waren sie auf drei Standorte verteilt. Um alles für die Zukunft zu rüsten, wurde eine umfangreiche Studie unter Lehrern, Schülern, Unternehmen und Absolventen durchgeführt. Deren Ergebnisse haben zu der erwähnten Reorganisation geführt.
Die Ausbildungsbandbreite reicht von der dreijährigen Hotelfachschule (ohne Matura, Abschluss als Hotelkaufmann/kauffrau) über die fünfjährige Hotelfachschule (mit Abschluss Matura und Hotelkaufmann/ kauffrau) bis zum zweijährigen College (Matura Voraussetzung) und dem Institute of Tourism and Hotel Management (ITH), dem internationalen Aushängeschild der Tourismusschulen Salzburg.
Dazu kommen noch laut Wörndl „zwei Exoten“: die Ski-Hotelfachschule in Bad Hofgastein (sie besteht seit fünf Jahren), die vom Prinzip her wie die dreijährige Ausbildung aufgebaut ist, aber zwecks Trainingsmöglichkeiten auf vier Jahre verlängert wurde. Wörndl: „Es gibt auf der Piste schon erste Erfolge. So haben unsere Schüler bei der Ski-WM in Garmisch 2011 vier Medaillen eingefahren.“ Philipp Schörghofer (Bronze und Silber) rettete dadurch die ÖSV-Herren und Anna Fenninger (Gold und Silber).
Zweiter „Exot“ ist die zweijährige HLE, ein Erwachsenenlehrgang für Quer- und Wiedereinsteiger. Matura ist dafür nicht Voraussetzung. Zum Abschluss erhalten die erfolgreichen Absolventen die Gewerbeberechtigung sowie den Titel Hotelkaufmann/kauffrau.
In Summe sind ca. 200 Lehrer an den vier Standorten tätig, die rund 1.200 SchülerInnen unterrichten. Am Standort Kleßheim liegt der Schwerpunkt auf MICE und Städtetourismus (fünfjährige HLT und Tourismus College), in Bischofshofen steht die Kulinarik im Mittelpunkt (dreijährige HFS, fünfjährige HLT und zweijährige HLE).
In Kleßheim beheimatet ist auch das 1965 gegründete ITH. Jedes Jahr erhalten dort 30 TeilnehmerInnen aus aller Welt ihre touristische Ausbildung. In den meisten Fällen gibt es Stipendien der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Wörndl: „Bisher hatten wir 1.200 Absolventen.“ Einer von ihnen ist Noel Masood, heute General Manager des Emirates Palace Hotels in Abu Dhabi. Einige haben es sogar schon zu Tourismusministern gebracht.
In Bad Hofgastein lautet der Fokus Alpintourismus und Gesundheitstourismus (dreijährige HFS, fünfjährige HLT sowie Skihotelfachschule). Diese drei Standorte verfügen auch über je ein Internat für 300 SchülerInnen.
Neu seit September 2011 ist der vierte Standort und zwar jener in Bramberg im Oberpinzgau. Bis dahin fungierte er als Wirtschaftsschule der Erzdiözese Salzburg. Als Tourismusschule liegt der Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, geboten werden eine dreijährige HFS sowie ein dreijähriger Aufbaulehrgang mit Matura.
Und wo bleibt bei diesem Modell die FH (Fachhochschule)? Diese ist nicht Teil der Tourismusschulen Salzburg, sondern gehört je zur Hälfte der Wirtschafts- und der Arbeiterkammer. Wörndl: „Die FH ist finanziell und organisatorisch von uns getrennt.“ Sehr wohl besteht aber eine Zusammenarbeit bei internationalen Projekten. Dabei gibt es u.a. Partnerschulen in Nepal, Indien (demnächst), Buthan, China (Hainan) und Sri Lanka (siehe Kasten).
Ob und wie die Neuorganisation der Tourismusschulen Salzburg wirkt, wird die Zukunft zeigen. Ein hervorragendes Radar dafür bietet u.a. die jedes Jahr online durchgeführte SchülerInnen-Befragung. Damit ist sichergestellt, dass nicht an der Praxis und am Bedarf der Tourismuswirtschaft vorbei unterrichtet wird. T.A.I. wird sich erlauben, über das eine oder andere Ergebnis zu berichten.
Tourismusschulen Salzburg als Global Player
Zu den Projekten, welche von den Tourismusschulen Salzburg gemeinsam mit der Fachhochschule durchgeführt werden, zählt u.a. jenes in Buthan. Darin ist auch die österreichische Entwicklungshilfe involviert. Es läuft bis 2016. Dabei geht es um ein Schulprojekt inkl. Lehrplanentwicklung, Ausbildung der Lehrer und Betreuung des Projektes, bis die Schule auf eigenen Beinen steht. Vor einem Jahr wurde sie eröffnet, 100 Schüler werden dort ausgebildet (College und zweijährige Schule). Im nächsten Jahr wird es auch ein Trainingshotel mit 20 Zimmern geben.
In Indien will der 1985er Kleßheim-Absolvent Arnuup Kumar (er hat die vier Betriebe große Hotelgruppe des Vaters zu den 40 Häusern umfassenden Clark Hotels ausgebaut) mit Hilfe der Salzburger eine Tourismusschule errichten. Und in Sri Lanka gibt es laufend Aktivitäten, ab Juli startet etwa ein Kurs über Tourismus-Management.


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