Barometer zeigt „schön“
Die Krise ist zwar noch nicht ganz vorbei, Hotellerie und Gastronomie gehen aber in „guter Stimmung“ ins neue Jahr: Das „Tourismusbarometer“, das Tourismusobmann Johann Schenner wieder bei seinem traditionellen Neujahrsempfang für die Medien präsentierte, zeigt Schönwetter an. Von 1053 vom Market – Institut zwischen 20. Dezember und 4. Jänner online über ihre Einschätzung der Lage befragten Hoteliers und Gastwirten zeigten sich mit dem Sommer 2011 rund 70 Prozent sehr zufrieden bis zufrieden. Die Umsatzentwicklung war deutlich besser, als im Jahr vorher, 35 Prozent hatten höhere,39 Prozent gleich gebliebene Erlöse. Bei den Erträgen wurde das „Vorkrisenniveau“ noch nicht ganz erreicht, 24 Prozent haben besser, 38 Prozent gleich gut und 35 Prozent schlechter abgeschnitten.
Der Wintersaison sehen auf Grund der Buchungslage neun Prozent mit sehr positiven, 56 Prozent mit positiven Erwartungen entgegen. Man rechnet im Wesentlichen mit gleichen Umsätzen wie im Vorjahr, in den westlichen Bundesländern geht man von Zuwächsen aus.
Immerhin fast die Hälfte der Unternehmer erklärt, die Wirtschaftskrise noch zu spüren. Die Zurückhaltung bei den Investitionen – 15 Prozent wollen mehr, 37 gleich viel und 35 Prozent weniger investieren – führt Schenner nicht nur auf die gebremste Ausgabenfreude der Gäste zurück: „Die permanente Diskussion über Sparpakete und Steuerpläne veranlasst viele zum Abwarten, was dabei herauskommt.“
Sorgen bereitet der Tourismuswirtschaft die Situation bei der Nachwuchsausbildung. Es sind immerhin 1.652 offene Lehrstellen gemeldet, mit sehr unterschiedlicher Ost – West – Verteilung: In Wien sind es 74, in Salzburg 503. Als eine der Ursachen dafür wird bereits seit langem die mangelnde „Mobilität“ der Lehrlinge angesehen: Nur wenige sind bereit, eine Lehrstelle fern der Heimat – etwa in einem anderen Bundesland – anzunehmen. Die „Entfernungsbeihilfe“, auf die von der Politik immer wieder verwiesen wird, weil sie grundsätzlich auch Lehrlingen gewährt wird, ist in der Praxis wenig hilfreich. Unter bestimmten, in einem mühsamen Verfahren nachzuweisenden Umständen wird sie vom AMS in einer Gesamthöhe von maximal 264 Euro im Monat gewährt, allerdings nur als Ersatz belegter Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung – die in der Hotellerie kaum eine Rolle spielen – und für Fahrtkosten. „Eine Motivation, dafür das soziale Umfeld mit Freunden und Verwandten zu verlassen, ist das wohl nicht,“ meinte Schenner.
Dass diese Form der Entfernungsbeihilfe insgesamt am Ziel vorbei geht, belegte Bundesgeschäftsführer Rainer Ribing mit Zahlen: Sie wurde im Vorjahr nur von 3.721 Dienstnehmern in Anspruch genommen – österreichweit und über alle Branchen hinweg. Wie viele Lehrlinge darunter sind, kann das AMS nicht sagen. Auf die Altersgruppe der 15- bis 20 -Jährigen, in der sie enthalten sein müssten, entfallen nicht mehr als 615. Und von diesen sind 52 in der Gastronomie und Hotellerie tätig.
„Wir treten dafür ein, dass für Lehrlinge ein zusätzlicher Bonus von 100 Euro monatlich eingeführt wird, und zwar über die gesamte dreijährige Lehrzeit,“ erklärte der Tourismusobmann. „Das wäre immerhin eine wenigstens teilweise Kompensation der Nachteile eines Ortswechsels.“ Die Kosten wären angesichts der geringen Zahl überschaubar, auch wenn man davon ausgeht, dass eine solche Regelung für die Lehrlinge aller Branchen gelten müsste. In jedem Fall wären sie niedriger, als das Durchfüttern vor Ort mit Lehrwerkstätten und anderen Hilfskonstruktionen.
Dass auf diese Weise ein Massenexodus der jungen Leute aus dem sicheren und komfortablen „Hotel Mama“ ausgelöst werden könnte, ist wohl nicht anzunehmen. Das liegt auch an den Eltern: Fünfzehnjährige in eine oft nicht einmal gewünschte, jedenfalls aber unkontrollierbare Unabhängigkeit zu „entlassen“ ist unbestreitbar mit einigem Risiko verbunden. Auch deshalb, weil völlig unklar ist, wer sich um die jungen Leute kümmert. Früher galten Lehrlinge als in den „Familienverband“ des Lehrherrn aufgenommen, dem damit auch eine relativ weitgehende „Erziehungsgewalt“ übertragen wurde. Weder die Gewerkschaft, noch die Wirtschaftskammer können verbindlich darüber Auskunft geben, was davon noch übrig ist. Einig ist man sich nur darin, dass eine Einflussnahme außerhalb der Arbeitszeit weder zulässig – so die Gewerkschaft – noch verpflichtend ist, wie die Kammer meint. Tatsächlich nehmen immer mehr Unternehmer Lehrlinge erst ab 16 Jahren auf: Die Verantwortung – um nicht zu sagen das Risiko – ist ihnen zu groß. „Ich will mir nicht vorwerfen lassen, nicht verhindert zu haben, dass sich Kinder betrinken, Rauschgift nehmen oder selbst ein Kind bekommen,“ meinte eine Unternehmerin realistisch. Dass diese Probleme eine große Rolle spielen, scheint man bei der Mobilitätsdiskussion zu vergessen.


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