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Sakrosankt

Es ist Österreichs heilige Kuh und galt bisher als absolut unantastbar. Die steuerliche Begünstigung des 13. und 14. Gehalts. Damit dürfte es jetzt vorbei sein. Auch wenn vielen jetzt der Schreck in die Glieder fällt, angesichts des Tabu-Bruchs rund um die landläufig als Urlaubs- und Weihnachtsgeld titulierten beiden fixen Lohn- und Gehaltsbestandteile, Fakt ist: sie stellen von ihrer steuerlichen Seite her gesehen – auch wenn es auf den ersten Blick hin provokant erscheint – eine der größten sozialen Ungerechtigkeiten dar, die Österreich derzeit bietet.

Wobei die dabei geltenden Steuerzuckerl durchaus Sinn machen, fließen sie doch vor allem in den niedrigen und mittleren Einkommensstufen unmittelbar in den Konsum. Doch dort sind diese Vorteile dünn gesät, gar nicht vorhanden oder verkehren sich sogar zu einem Steuernachteil.
Stattdessen entpuppt sich die Regelung – je höher man die Einkommenspyramide hinaufklettert – mehr und mehr als schamlose Umverteilung nach oben. Dieser Umstand wurde und wird bis heute bewusst verschwiegen und ist Normalbürgern so gut wie nicht bewusst.
Das sind die Fakten: Wer ein Brutto-Jahreseinkommen bis zu 15.000 Euro verdient (zwei Fünftel aller Lohn- und Einkommensbezieher), der erhält beim 13. und 14. Gehalt exakt je 1,18 Prozent oder zwischen 5 und 10 Euro mehr netto ausbezahlt, als bei den übrigen zwölf Gehältern.
Bei einem Brutto-Jahreseinkommen zwischen 15.001 und 20.000 Euro (ein Sechstel aller Lohn- und Einkommensbezieher) kommen beim 13. und 14. netto sogar um 0,02 Prozent bzw. 3,62 Prozent WENIGER heraus, als in den anderen Monaten.
Bei allem was darüber liegt, für den wird das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zum Steuergeschenk, das progressiv ansteigt und das übliche Nettogehalt um bis zu mehr als 70 Prozent übertrifft. Wer z.B. 5.000 Euro netto verdient, erhält beim 13. Gehalt rund 7.100 Euro (also 13. Gehalt plus 2.100 Steuergeschenk), beim 14. sind es 8.400 Euro (14. Gehalt plus 3.400 Steuergeschenk). Damit ist die Spitze aber noch lange nicht erreicht.
Zum Vergleich: wer 1.000 Euro netto im Monat nach Hause trägt erhält beim 13. Gehalt ebenfalls einen 1000er netto, beim 14. Gehalt sind es nur noch rund 990 Euro, also um 10 Euro weniger.
Diese Tatsache wurde bisher von allen Politikern – die durch die Bank von den genannten Steuerprivilegien der oberen Gehaltsklassen profitieren – tunlichst verschwiegen! Für jeden Normalverdiener sind Weihnachts- und Urlaubsgeld bekannter Maßen eine existenzielle Notwendigkeit. Jedes Mal, wenn die Politik das Thema bisher anschnitt, fürchtete die breite Öffentlichkeit nicht um den Steuervorteil (von dem die meisten nichts oder nur in geringem Ausmaß etwas hatten), sondern um diesen Gehaltsbestandteil. Umgehend wurde das Thema deshalb für sakrosankt erklärt und der eigene Steuervorteil war gerettet.
Damit dürfte es jetzt – zumindest an der Spitze der Gehaltspyramide – vorbei sein. Man spricht von 200.000 Euro Jahreseinkommen und mehr, also stolze 0,25 Prozent aller Einkommensbezieher. Würde die Grenze bei 150.000 Euro brutto eingezogen, kämen weitere 0,22 Prozent dazu. Dort, wo die Politik zu Hause ist, bleibt hingegen alles wie gehabt.
Fair und durchaus sinnvoll wäre eine Deckelung des Steuerzuckerls bei 25 Prozent. Das würde 95 Prozent der Einkommensbezieher nicht oder nur minimal (mit ca. 35 Euro für das 13. und 14. zusammen) belasten, aber rund 600 Mio. Euro Beitrag zur Budget-Sanierung bringen und mit Sicherheit nicht einmal die geringste Auswirkung auf den privaten Konsum haben. Doch für eine derartige Maßnahme, die vor allem auch die eigenen Privilegien der politischen Akteure beträfe, sind diese zu feige, wagt zu behaupten der

Lupo

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