Was ist Krise?
Diese Frage beschäftigt natürlich auch alle im Tourismus, denn wo keine Kohle mehr – außer jener vom Krampus – tut man sich mit dem Reisen schwer. Und jeder der vom Reisen lebt, an welcher Stelle der Leistungskette auch immer, hat das auszubaden. Nicht nur engagierte Airliner, emsige Touristiker, Reisebüro-Agents und Veranstalter oder schwer schuftende Hoteliers, sondern auch die kleinsten Teilchen dieser riesigen Branche, wie etwa jener Ägypter, der neulich im Fernsehen über das Ausbleiben der Touristen bei den Pyramiden geklagt hat und nicht weiß, wie er sein Kamel, das ihm sein kärgliches Geld verdient und mit dem er mitsamt Familie unter einem Dach lebt, bis zu den Weihnachtsferien durchfüttern soll.
Also: wer hilft den Erwachsenen? Vorrangig zunächst einmal der Blick in die Vergangenheit. Der fällt auf einen gigantischen Berg an Krisen. Die gab’s und gibt’s nämlich immer und überall, jedes Mal begleitet von Ängsten und Prophezeiungen über den bevorstehenden kompletten und endgültigen Untergang. Der ist dann und wann auch eingetreten, manchmal sanft, manchmal brutal, aber bald wieder von neuer Prosperität abgelöst worden – ökonomisch, geistig und auch politisch.
Wobei sich die Frage stellt: was ist Krise? Jene Aufstände, die heuer bereits einige der arabischen Diktatoren weggefegt haben, oder vielmehr die Jahre, in denen diese das Volk ausgebeutet und unterdrückt haben? Jene Zusammenbrüche europäischer Schuldenberge, die das Gefüge des gesamten Kontinents erschüttern, oder nicht doch vielmehr die Jahrzehnte, in denen diese in ebenso verlogener wie fahrlässiger und – künftigen Generationen gegenüber – betrügerischer Art aufgetürmt wurden?
Was wir derzeit erleben, sowohl in der arabischen Hemisphäre als auch in Europa, ist nicht Krise, sondern deren Folge. Was auf falschen Strukturen, unter ebenso falschen Prämissen errichtet und jahrelang trotz drohendem Knistern im Gebälk unter Verdrängen der Realitäten fortgeführt wurde, bricht jetzt zusammen. Endlich, muss dazu gefügt werden.
Wir erleben nicht Krise (so schmerzlich die aktuellen Auswirkungen auch sein mögen), sondern Aufbruch zu Neuem, ohne dass noch erkennbar ist, wohin uns diese Wege führen. Sicher ist nur: es geht weg vom Bisherigen und das ist gut so. In Arabien wie in Europa. Sich davor zu fürchten, ist menschlich, aber die falsche Reaktion.
Auf zu neuen Ufern, zu neuen Strukturen und Modellen der politischen wie ökonomischen Zusammenarbeit lautet das Motto. Vergessen wir den Krampus und überlassen den Nikolo den Kindern, nützen wir die bevorstehenden, unermesslichen Chancen, auch wenn dies leichter geschrieben als gelebt und vorerst nur über schmerzhafte Einschnitte möglich ist, meint der


Wenn Sie als Benutzer auf TAI.at registriert sind, werden Ihre Kommentare automatisch und umgehend freigeschalten. Kommentare nicht registrierter Benutzer werden vor Erscheinen geprüft.
Wir behalten uns vor, Postings mit Werbung, Spam, Verunglimpfungen, Beleidigungen, etc. zu löschen.