„Going Green“ ist gut, wenn es nichts kostet
Badener Tourismusgespräche bestätigten: Der Weg von der Zustimmung zur Nachhaltigkeit zu entsprechendem Verhalten ist weit
„Nachhaltigkeit“ gehört zu den Basistrends der Gesellschaft und beeinflusst daher auch die Entwicklung des Tourismus. Zwischen Einstellung und tatsächlichem Tun ist aber noch ein weiter Abstand. Ökologisches Verhalten wird kaum akzeptiert, wenn es mit Verzicht oder gar einer „grünen Preiserhöhung“ verbunden ist. Das muss es auch nicht, denn die Umstellung kann auch zu einer durchaus beachtlichen Kostenersparnis führen. Ein „Umwelt-Label“ an der Türe bringt allerdings wenig, um einen Betrieb in diesem Segment zu positionieren, muss er sich „ganzheitlich“ darauf einstellen, als „Chefsache“. Selbst dann kann es passieren, dass es sich nicht rechnet. Diese Erkenntnisse vermittelten die 9. „Badener Tourismusgespräche“, die kürzlich mit mehr als 300 Teilnehmern im Congress Casino Baden stattfanden.
Umweltminister Niki Berlakowitsch verwies auf die lange Tradition, die Österreich als „Umweltmusterland“ hat, von der Bio-Landwirtschaft über Seen mit Trinkwasserqualität bis zur Abfalltrennung. Die wechselseitige Abhängigkeit von Wirtschaft – nicht zuletzt des Tourismus in seiner Doppelrolle als Verursacher und Betroffener – und Umwelt habe zu einer Zusammenarbeit geführt, die wesentlich weiter reicht, als sie von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Zum Thema Klimawandel traf er eine Feststellung, die bisher von der Umweltpolitik kaum zu hören war: Der Klimawandel passiert in jedem Fall und ebenso wichtig wie ihn nach Möglichkeit zu bremsen ist es, die Wirtschaftssektoren darauf vorzubereiten und an die sich ändernden Verhältnisse anzupassen.Niederösterreichs Tourismus-Landesrätin Petra Bohuslav erläuterte an Beispielen die Rolle der Nachhaltigkeit als eine der Säulen des Wirtschaftskonzeptes ihres Bundeslandes und lieferte eine Definition für diesen sehr unterschiedlich verstandenen Modebegriff: Nachhaltigkeit ist der verantwortungsvolle Umgang mit Umwelt und Menschen, um der nachfolgenden Generation ein besseres Leben zu sichern. Tatsächlich stand auch bei den Badener Gesprächen das Thema „Umwelt“ im Zentrum, die soziale Komponente wurde kaum behandelt.
Motivforscherin Sophie Karmasin zog aus einer aktuellen Studie den Schluss, dass die Konsumentscheidung einem Paradigmenwechsel unterworfen ist: Gekauft wird, was emotional als wertvoll empfunden wird. Dabei spielt das Markenbild eine entscheidende Rolle. Für die nächste Zukunft wird dabei das Verantwortungsbewusstsein ein wesentlicher Faktor sein und für Unternehmen ist es daher wichtig, Vertrauen und Haltung auszustrahlen. Nachhaltigkeit hat damit eine gute Marktchance.
Die Konsumentscheidungen orientieren sich am jeweiligen „Erlebnismilieu“. Jeweils etwa ein Drittel handelt bereits „nachhaltig“, ist dafür zwar aufgeschlossen, aber verhält sich nicht entsprechend, oder hat daran keinerlei Interesse. Ansprechbar ist daher vor allem die mittlere Gruppe. Um das Thema von der Werte- auf die Verhaltensebene zu bringen, ist eine entsprechende Motivation notwendig, die sicher nicht über Verzicht erreichbar ist, sondern durch die Aussicht auf Steigerung der Lebensqualität: Der Beitrag des einzelnen muss sichtbar werden, das umweltkonforme Verhalten einen zusätzlichen Benefit versprechen. Für den Tourismus ist Nachhaltigkeit weniger eine eigenständige, als eine zusätzliche Positionierungsmöglichkeit.
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kam Marco Gardini vom wissenschaftlichen SCOPAR-Beratergremium. Seit den 1970er Jahren ist Nachhaltigkeit vom Aussteigerthema für „Ökofreaks mit Wollpulli und Birkenstocksandalen“ zum Mainstream geworden und in den gesellschaftlichen Mittelpunkt gerückt. In seiner Analyse liegt allerdings der Anteil nicht oder kaum für Nachhaltigkeit ansprechbaren „Ignoranten“ und „Gewohnheitstiere“ über der Hälfte. Unter den Unternehmen verhaltet sich etwa die Hälfte „offensiv initiativ“ und treibt das Thema voran, 45 Prozent sind „defensiv adaptiv“ und passen sich dem Trend an und nur 6 Prozent sind „grün indifferent“ und tun gar nichts. Auch für Gardini steht bei der Positionierung die Vertrauensfrage im Vordergrund, weil für den Kunden selbst die Leistung kaum überprüfbar ist und überdies durch „Green Washing“ oft gezielt gefälscht dargestellt wird. Entscheidend ist daher der Aufbau einer glaubwürdigen Marke, die eine entsprechende ganzheitliche Unternehmenskultur verlangt: „Grün ist Chefsache“.
Nächstes Jahr steht Jubiläum ins Haus
Die Badener Gespräche werden vom Magazin Hotel & Tourisitk aus dem Manstein Verlag, den Casinos Austria und in enger Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich veranstaltet. Heuer gingen sie das 9. Mal über die Bühne. Ziel ist es, als Branchenplattform die neuesten Trends und Entwicklungen im österreichischen und internationalen Tourismus aufzuzeigen. Im Rahmen einer Abendgala werden der „Hotelier des Jahres“ sowie die „Gastronomen des Jahres“ gekürt (mehr dazu siehe News auf Seite 2). T.A.I. wird seit 2004 zu den Badener Gesprächen eingeladen und berichtet als einzige, nicht zum Manstein Verlag gehörende, Fachzeitung über die Veranstaltung.


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