700.000 Euro weniger – das muss Österreich sein
Soviel blieb bei der überraschend schnell erzielten Einigung zwischen Wirtschaftsministerium und WKÖ über die ÖW auf der Strecke – hier steht, warum das so ist
Auf den ersten Blick sieht alles aus nach eitel Wonne: gleich bei ihrer ersten Gesprächsrunde nach dem großen Silvester-Krach fanden die beiden Vereinsmitglieder der Österreich Werbung (ÖW), das Wirtschaftsministerium und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Montag dieser Woche zurück zur Vernunft. Die Kammer zog ihre Kündigung (Austritt aus der ÖW mit 1. Jänner 1012) wieder zurück, die AWO (Außenwirtschaftsorganisation) verzichtet – bis auf Weiteres – darauf, die ÖW zu schlucken; diese wird (was bisher nicht derart klar formuliert war) das alleinige Tourismusmarketing im Ausland bewerkstelligen und erhält zudem mehr Spielraum bei der Beauftragung der AWO bezüglich Erbringung von Sachleistungen. Alles wunderbar also? Nicht wirklich, wie man bei näherer Betrachtung leider feststellen muss.
Dazu muss man allerdings den Text, der in Abstimmung zwischen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und WKÖ-Präsident Christoph Leitl über die APA-OTS (Originaltextservice der Austria Presse Agentur) am Mittwoch ausgeschickt wurde, schon genauer studieren. Darin werden die Mitgliedsbeiträge vom Ministerium mit 24 Mio. Euro angeführt, jene der WKÖ mit 8 Mio. Euro (beides also unverändert gegenüber früher).
Was sich jedoch ändert, ist die Zusammensetzung der WKÖ-Sachleistungen in Höhe von bisher 2 Mio. Euro (die in den 8 Mio. Euro enthalten sind). Zuletzt wurden davon 400.000 Euro für Mieten bzw. Bürogemeinschaften verbucht, welche die ÖW bei der AWO in Anspruch nimmt. 1,6 Mio. Euro liefen unter dem Titel Sachleistungen, welche von der AWO in Form von Marketingaktivitäten für die ÖW erbracht wurden.
Diese 1,6 Mio. Euro erhöhen sich künftig auf 1,7 Mio. Euro. Die ÖW muss somit um 100.000 Euro mehr bei der AWO einkaufen, als bisher (wobei die ÖW diesbezüglich künftig mehr Entscheidungsspielraum hat, als früher, wofür die Mittel konkret eingesetzt werden). Weitere 400.000 Euro muss die ÖW (unverändert wie bisher) der AWO für Mieten überweisen.
Der wirkliche Haken der jetzt erzielten Einigung liegt aber im nächsten Absatz der APA-OTS-Aussendung: „Die ÖW wird … bei Bedarf … ihr Inlandsengagement durch eine Inlandskampagne verstärken. Alleine dafür werden vom Mitgliedsbeitrag der WKÖ und aus ÖW-Mitteln je 300.000 Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt.“
Konkret bedeutet dies, dass die ÖW in Summe rund 700.000 Euro aus ihrem bisher frei verfügbaren Budget künftig verliert und in Form von zusätzlichen 100.000 Euro zweckgebunden bei der AWO sowie von 600.000 Euro für eine Inlandskampagne aufwenden muss. Da nicht anzunehmen ist, dass die ÖW im Zuge ihrer ohnehin knapp bemessenen Mittel über Rücklagen bzw. unverplante Gelder in dieser Höhe verfügt, muss sie wohl oder übel diese 700.000 Euro von anderen Aktivitäten abziehen.
Dies wiegt umso schwerer, als durch Marketingkooperationen diese 700.000 Euro in der Vergangenheit zusätzlich noch gehebelt werden konnten. Ob dies bei der Inlandskampagne im selben Ausmaß möglich ist, wird sich weisen.
Unter dem Strich verbleibt die Erkenntnis, dass von den zuletzt 6 Mio. frei verfügbaren Euro aus dem WKÖ-Beitrag nur noch 5,3 Mio. Euro verblieben sind.
Leitl und Mitterlehner sind trotzdem zufrieden. Der WKÖ-Präsident darüber, dass die ÖW „insbesondere auch in den touristischen Zukunftsmärkten die Kooperation mit der WKÖ-Außenwirtschaftsorganisation verstärken wird, um weltweit präsent zu sein" und der Wirtschaftsminister darüber, dass „in der jetzt erzielten Einigung die alleinige Zuständigkeit der Österreich Werbung für das nationale Tourismusmarketing im In- und Ausland gemeinsam festgehalten wird. Alle unsere Tourismusmarketingaktivitäten weltweit erfolgen ab jetzt im Auftrag, unter der Strategie und der Dachmarke der ÖW.“
Als positiver Aspekt darf festgehalten werden, dass nicht mehr gestritten wird und die ÖW wieder einen längerfristigen Planungshorizont erhalten hat. Das ist zwar nicht viel, in Anbetracht der Vorkommnisse zurückliegenden Wochen zumindest etwas – mehr aber auch nicht.


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