„Exklusive Rundreisen“ am Rande der Seriosität

Wie der RSD Reise Service Deutschland mithilfe von Tageszeitungen und falschen Angaben Geschäfte macht

Zigtausend Abonnenten österreichischer Tageszeitungen erhielten in den zurückliegenden Tagen Angebote über „Exklusive Rundreisen in der Türkei“. Diese werden als „besonderes Reiseangebot von RSD Reise Service Deutschland für die Leser der …. Zeitung“ (T.A.I. liegen Fälle von „Kronen Zeitung“ und „Kleine Zeitung“ vor) angepriesen. Statt 799 Euro werden lediglich Kosten von 149 Euro verrechnet und zwar „mit Unterstützung des Vereins zur Tourismusförderung Türkei.“ T.A.I. ist der Sache nachgegangen und auf eine höchst fragwürdige Story gestoßen.

Beim RSD Reise Service Deutschland handelt es sich um einen in Kirchheim bei München ansässigen Reiseveranstalter. Der hat bereits im Frühsommer letzten Jahres mit einem „besonderen Angebot für Leser und Freunde der xxxx Zeitung/Zeitschrift“ (verschiedene Zeitungen/ Zeitschriften in Österreich, denen ein Schreiben von RSD beigelegt war) geworben. Diese Reisen kamen auch tatsächlich zustande. Bewertungen im Internet, die sich dazu finden, sind zum Teil positiv (abgesehen von einigen heftigen Kritiken sowie der Erkenntnis, dass es z.B. nicht bei den 149 Euro bleibt, sondern durch Ausgaben vor Ort auch für Reiseleitung, Einkäufe und Eintritte mehrere hundert Euro anfallen).

Die Sache ist aber aus anderen Gründen an der Grenze der Seriosität angesiedelt, wenn nicht bereits jenseits davon. Das zeigte sich zunächst daran, dass im Vorjahr, wie Ilknur Bodur, Attachée für Kultur und Fremdenverkehr an der Türkischen Botschaft in Wien, gegenüber T.A.I. betont, vom RSD „widerrechtlich unser Logo (copyright!) auf dem Angebots-Flyer verwendet“ wurde, inklusive der (falschen) Angabe „gesponsert vom Türkei-Tourismus“. Über die Türkei-Information in Berlin erreichte Ilknur Bodur durch Androhung einer Unterlassungsklage, dass die widerrechtliche Verwendung des Logos sowie die irreführende Angabe des Sponsors im Nachfolgedruck des Flyers eingestellt und darüber hinaus veranlasst wurde, dass RSD die Nummer des tatsächlich sponsernden Vereins im Flyer angibt. Doch den gab es bis dahin nicht. Der RSD zauberte darauf hin einen „Verein zur Tourismusförderung Türkei“ aus dem Hut, mit einem Logo, das für Laien jenem des Türkei Tourismus zum Verwechseln ähnlich sieht. Über den Verein lässt sich RSD-Chef und Gründer Andreas Zangemeister auf Anfrage von T.A.I. soviel entlocken: „Der Verein ist von Unternehmen der lokalen Wirtschaft in der Türkei gegründet worden und hat zum Ziel, den Tourismus in bestimmten Regionen des Landes zu fördern.“

In diesem Zusammenhang stellt er laut Zangemeister „für RSD Kontakte zur lokalen Tourismus-Wirtschaft her. Ohne die Unterstützung des Vereins könnten nur große, internationale Reiseveranstalter auf dieses Netzwerk zurückgreifen. Für ein kleines Unternehmen wie RSD blieben diese Türen ansonsten verschlossen.“ Das klingt zunächst plausibel. Doch bezüglich „Fragen, die sich auf die Mitglieder und das Gründungsdatum des Vereins beziehen, können wir keine gesicherte Auskunft erteilen und verweisen auf das örtliche Vereinsregister“, wollte Zangemeister keine weiteren Details mehr preisgeben.

Deshalb recherchierte T.A.I weiter und wurde in Istanbul fündig. Im dortigen Vereinsregister existiert zwar unter der von RSD angeführten Nummer 34-168/102 tatsächlich ein Verein, der hat aber einen anderen Namen und zwar „Verein für Förderung, Bekanntmachung und Belebung des anatolischen Tourismus“. Das Wort „Türkei“ kommt – anders als im RSD-Folder behauptet – mit keiner Silbe vor. Als Gründer tritt ein gewisser Serhat Ararat auf. Gründungmonat: Juli 2010. Der Verein wurde somit erst ins Leben gerufen, als Ilknur Bodur der widerrechtlichen Verwendung von Logo und Bezeichnung Türkei-Tourismus einen Riegel vorschob.

Damit erscheint auch die Behauptung von Zangemeister, der zu Folge der RSD die Kontakte des Vereins „in die lokale Tourismus-Industrie nutzt, um sehr gute Einkaufskonditionen zu erzielen, die letztendlich den Reisenden in Form von unschlagbar günstigen Reisepreisen zu Gute kommen“, in einem anderen Licht, nämlich jenem der Unglaubwürdigkeit.
Wenn man die Vorgeschichte von Zangemeister kennt, ist das kein Wunder. Im Dezember 1968 geboren, bekleidete er nach seinem Doktorats-Studium zunächst verschiedene Positionen bei der TÜV Rheinland Group, war danach bei Hubert Burda Media Direktor Konzerncontrolling und machte sich 2006 mit der TSD Telecom Service Deutschland GmbH & Co. KG selbständig. Firmensitz: Beim Alten Ausbesserungswerk 4 in 77654 Offenburg. An derselben Adresse gibt es auch eine First Voyages France GmbH und – als weitere Adresse neben München – die RSD Reise Service Deutschland GmbH, alle mit Zangemeister als Geschäftsführer.

Bereits ein Jahr nach der TSD-Gründung wurden die Verbraucherschützer aufgrund der fragwürdigen Geschäftsmethoden auf Zangemeister aufmerksam (siehe Kasten). Mit dem RSD und den Türkei-Reisen hat Zangemeister ein Betätigungsfeld gefunden,    das – dank jener Zeitungen, die mitspielen – einfacher abzugrasen ist. Verkaufsreisen zu Spotpreisen in die Türkei sind keine Neuerfindung (in Erinnerung ist die 0-Euro Aktion von Donauland aus dem Jahr 2009 mit der H&H TUR Touristik GmbH aus Karlsruhe, T.A.I. berichtete darüber). RSD-Flugpartner ist übrigens Pegasus, angeboten werden Abflüge ab Wien, Linz und Salzburg, vor Ort sorgt ITM-Travel für die Abwicklung des Programms.

T.A.I. hat sowohl die „Kronen Zeitung“ als auch die „Kleine Zeitung“ um Stellungnahme ersucht, wie diese zur Angelegenheit RSD und deren Praktiken stehen, nicht zuletzt, da beide Medien auch von Inseraten seriöser Reiseveranstalter und Reisebüros leben, denen durch derartige Praktiken Geschäft weggenommen wird. Bis Redaktionsschluss gab es noch keine Antworten.

Die Tricks der RSD-Schwester TSD

Die auf das Vermitteln von alternativen Festnetzanbietern in Form von Pre-Selection spezialisierte TSD verschickte an potentielle Kunden Briefe mit einem Freischaltungsauftrag für eine Pre-Selection, wobei die Empfänger diesen Brief per Postident-Verfahren zugestellt bekamen. Es musste dem Postangestellten ein Personalausweis vorgelegt und eine Unterschrift geleistet werden. Tückischer Weise wurde damit nicht nur der Erhalt von Informationsmaterial bestätigt, vielmehr schlossen die nichts ahnenden Empfänger mit ihrer Unterschrift gleichzeitig einen Vertrag, den Freischaltungsauftrag für die Pre-Selection, ab. Ein weiterer TSD-Trick: Verbraucher erhalten ungefragt Auftragsbestätigungen über eine Pre-Selection. TSD erklärte, die Empfänger hätten ihr Einverständnis im Anschluss an eine Umfrage oder ein Gewinnspiel gegeben. In wieder anderen Fällen wurden Verbraucher angerufen und unter Versprechen von 500 Freiminuten zum Abschluss eines Vertrages überredet. Der Trick: die „Neukunden“ erhielten die Auftragsbestätigung erst zwei Wochen nach dem Telefonat, also nach Ablauf der üblichen Widerspruchsfrist.

Kommentare   

 
+1 # Verkaufsreisen!Ertan Vural 2012-03-15 07:41
Als Guide im Tourismus der Türkei, kennen wir diese Art dreckige Geschäfte in den letzten 10 Jahren. Es hat mit Förderungen durch den türkischen Staat nichts zu tun! Es sind reine Verkaufsveranst alltungen! Und machen den Namen der Türkei einfach kaputt!
Die letzte Neuigkeit der RSD ist für 270,-€ Spanien und für 699,-€ Dubai. Alles auf die gleiche Art & Weise wird publiziert. Leider sehen die Verbraucher nur den billig Preis auf der ersten Seite, obwuhl die ihnen teuerer kostet als üblich!...
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